„Schluss mit lustig“ oder wie Google den SEO-Tools den Hahn abdreht

Google dreht SEO-Toolanbietern aus den US den Hahn ab
SEO-Tools

Am vergangenen Freitag machte bereits die Nachricht die Runde: Google dreht SEO-Toolanbietern aus den US den Hahn ab. Zahllose Unternehmen erhielten in den vergangenen Wochen eine Nachricht von Google mit folgendem Wortlaut:
”In order to be in compliance with the AdWords API Terms and Conditions please cease offering any product or product feature that collects scraped data or uses scraped data acquired from another source (this includes the functionality offered under website and keyword research in your tool).”
Als erstes äußerte sich der CEO des Anbieters “Raven Tools” zu dieser Thematik in einem gesonderten Blogpost A message from our CEO: Raven to drop rankings, other scraped data on Jan. 2 . Aus diesem geht hervor, dass sich das Unternehmen dem Druck von Google beugen und die Ranking-Abfragen künftig aus dem Tool herausnimmt und damit seinen Kunden nicht mehr anbieten wird.

Im Gegenzug darf “Raven Tools” künftig weiterhin Daten aus der kostenpflichtigen Google AdWords API ziehen und diese in seinen Tools präsentieren. Damit ist klar, was auf SEO-Toolanbieter aus Deutschland zukommen könnte, falls sich Google dem deutschen Markt in der kommenden Zeit in vergleichbarer Weise widmet:

Entweder man verzichtet als Anbieter auf das den Nutzerbestimmungen zuwiderlaufende massenhafte scraping der Google Suchergebnisse und damit darauf dem Suchmaschinen-Unternehmen einen realen wirtschaftlichen Schaden zuzufügen, oder man bietet weiterhin Google Ranking-Daten an und lässt es dabei auch bleiben, denn eine Nutzung der Google AdWords API wird dann nämlich untersagt.
In Deutschland machen zumindest aktuell schon ein paar Gerüchte die Runde, dass auch Anbieter wie SISTRIX und SEOLytics bereits mit Problemen in diesem Zusammenhang zu kämpfen haben. Vgl. Tool Time – Google droht Toolanbietern mit API-Entzug

Der Hintergrund ist nicht untrivial:

Seit langem schon bereichern sich Toolanbieter “ungerechtfertigt” an den Google Ranking-Daten, obwohl der folgende Passus diese Nutzung der Google Suchergebnisse nicht gestattet:

“Verwenden Sie unsere Dienste nicht in missbräuchlicher Art und Weise. Sie sind beispielsweise nicht berechtigt (…) in anderer Weise als über die von Google bereitgestellte Benutzeroberfläche und gemäß unseren Vorgaben auf die Dienste zuzugreifen.”
Der Schaden, der Google hierüber bereitet wird ist dreierlei ( Vgl. Blogbeitrag von Vincent Schmalbach DAS ENDE DER SEO-TOOLS ):
Das massenhafte Scrapen der Suchergebnisse kostet Ressourcen, die nicht durch Einnahmen aus Google AdWords refinanziert werden können
Die Suchergebnisse und Such-Vorschläge können hierüber verfälscht werden, denn Google wertet die Suchanfragen zu Ranking-Verschiebungen aus
Die Werbekunden von Google können verfälschte Resultate im Keyword-Tool erhalten, denn die zahllosen Abfragen verfälschen das tatsächliche Suchanfrage-Volumen
Bei Keyword-Sets von 10 bis 100 Mio. Suchbegriffen, die pro Woche von diversen Tools abgefragt werden, kommt dabei schon “eine Menge Holz” zusammen…
Warum auf unrechtmäßige Ranking-Abfragen verzichten?
Hierzu gibt es mittlerweile eine Fraktion unter einigen SEOs, die den Stellenwert von Rankings ohnehin schon eine Weile nicht mehr so hoch halten, wie in den vergangenen Jahren: Diese seien zu viel in Bewegung, zu stark personalisiert und zu sehr vom Nutzerstandort abhängig, als das man diese valide auswerten könne.
Größtenteils stimmt das zwar, denn es werden die Rankings zwar tatsächlich stark schwankend und abhängig von den genannten Faktoren von Google ausgeliefert, doch für Benchmarking-Zwecke in einem größeren Zusammenhang sind diese Daten nach wie vor sehr wertvoll für Auswertungen und Reportings.
Aus diesem Grund hat sich auch der SEO-Toolanbieter SEOMoz aus den US dafür entschieden, auf die Google AdWords API zu verzichten und im Gegenzug weiterhin “illegal” erfasste Ranking-Daten anzubieten (Vgl. Loss of Google AdWords API ).

Eine Alternative in Sicht?

Eine vergleichbare Alternative zu den klassischen Ranking-Tools gibt es von Google nicht. Zwar bieten die Google Webmastertools Informationen zu Google-Rankings, doch sind diese auch nur kumulativ berechnet und zum Teil als recht fragwürdig zu betrachten, es lassen sich nämlich etliche Beispiele aus den in den Webmastertools angezeigten Rankings nicht nachvollziehen. Darüber hinaus erhält man nur Daten für Websites, die einem selbst gehören, bzw. die man im Auftrag betreut.

Für kleinere Anfragen bieten Tools wie bspw. “Advanced Webranking” für die interne Auswertung jedoch weiterhin eine gute Möglichkeit an Ranking-Daten und einem überschaubaren Rahmen zu gelangen. So umfangreiche Keyword-Sets wie bei SISTRIX, Searchmetrics, XOVI, SEO-Diver & Co. bietet einem ein derartiges Tool wie auch Google jedoch leider nicht.
Die Bedingungen für auf Rankings basierende Wettbewerbsanalysen werden demnach schlechter, aber das ist kein Grund zur Verzweiflung, denn:
Google Rankings sind kein reiner Wert an sich, den es zu reporten gilt. Das gleiche gilt übrigens auch für Traffic-Daten. Nur wenn die Besucher tatsächlich auf ein Suchergebnis klicken und dann auch wirklich das Ziel der Website erfüllen, hat man tatsächlich einen sinnvollen Erfolg nachzuweisen.
Allein derartige KPIs machen aus SEO-Sicht für ein Unternehmen nachhaltig Sinn und ermöglichen es Ressourcen im SEO-Bereich sinnvoll einzusetzen.

Fazit – SEO-Tools quo vadis?

Es wäre sehr schade künftig auf die Möglichkeit verzichten zu müssen globale Sichtbarkeitswerte von Domains zu erhalten, denn kompetitives SEO innerhalb einer bestimmten Vertikale wird damit ungleich schwieriger.

Gerade über einen langen Zeitraum betrachtet, bietet ein Sichtbarkeitsindex, wie er bspw. von SISTRIX angeboten wird, eine tolle Möglichkeit den Erfolg oder Mißerfolg nachhaltiger SEO-Maßnahmen zu bewerten.
Darüber hinaus ist es nicht allzu kritisch auf derartige Daten zu verzichten, denn für eine überschaubare Anzahl an Rankings gibt es für den internen “Hausgebrauch” nach wie vor gute Lösungen.

Möglicherweise bringt diese Entwicklung auch etwas Gutes mit sich:

Die Kunden verlieren vielleicht nach und nach ihre teilweise schon fast als “Fetisch” zu verstehende Fixierung auf Google Rankings für gewisse Suchbegriffe, die sich der Geschäftsführer ausgedacht hat. Da bleibt dann bei der Optimierung wieder etwas mehr Zeit für Aufklärung… und davon können zahllose Unternehmen in Deutschland nach wie vor eine Menge gebrauchen!
Mehr zum Thema findet man auch bei den Jungs von Bloofusion

Autoren-Box:

 

Sebastian Socha Foto

 

Dieser Artikel wurde von Sebastian Socha geschrieben, der sich im Blog des Bewertungsportals KennstDuEinen seit 4 Jahren mit dem Thema “Lokale Suchmaschinenoptimierung” auseinandersetzt. Sebastian Socha ist Leiter Produktentwicklung und Inhouse-SEO für das lokale Vermarktungsunternehmen WinLocal GmbH mit Sitz in Frankfurt.

Bildquellenangabe: seo – presentermedia.com

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3 Kommentare

Bärbel Loy · 12. Dezember 2012 um 12:25

Schöne Zusammenfassung zum aktuellen Anlass. Ob Google das scraping der Google Suchergebnisse völlig erkennen kann – und demnach die Ergebnis korrigiert – weiss niemand.
Könnte mir jedoch vorstellen, dass Google die Bereitstellung solcher Dienste doch lieber in die eigene Hand nimmt. Hier könnten ja zusätzliche Einnahmen fließen.
Ergo: zurück zum handischen Check – oder eine Verstärkung auf die Bereitstellung relevanter / unique Inhalte, da google solche Webseiten ohnehin besser ranken lässt.

Jürgen · 13. Dezember 2012 um 09:27

Ich denke, dass die Aktion von Google total überinterpretiert wird.

Ich weiß von einem deutschen SEO-Tool-Anbieter dass schon vor einem 3/4 Jahr der API-Zugang aus diesem Grunde deaktiviert wurde, mit der Begründung, dass man gegen Nummer 2, 3a der Richtlinien verstößt:

„Übertragung von AdWords-API-Berichtsdaten. Sie dürfen die AdWords API-Berichtsdaten weder ganz noch teilweise verkaufen, verteilen, sublizenzieren oder anderweitig an Dritte weitergeben oder übertragen (mit der Ausnahme, dass Sie berechtigt sind, die AdWords-API-Berichtsdaten eines bestimmten Kontos an den Inhaber dieses Kontos weiterzugeben).“

https://developers.google.com/adwords/api/docs/terms?hl=de

Ebenfalls weiß ich, dass Google mit dem API- Zugang schon ungefährt seit dieser Zeit sehr restriktiv umgeht und Tokens wirklich nur noch für Agenturen oder Werbetreibende mit ordentlichen Umsätzen bei genauer Vorstellung der API-Nutzung vergibt.

Dieser Tool-Anbieter nutzt daher (heimlich) die API von jemand anderen und ich bin eher überrascht dass andere Anbieter tatsächlich die API direkt so noch nutzen konnten.

Bin mir sicher, dass die Tools die jetzt argumentieren „Wir nutzen die API gar nicht“ das genauso machen 8-)

Ich vermute bei dieser Maßnahme keinen tieferen Sinn von Google, sondern dass einfach bei einem regelmäßigen Check der API-Zugänge festgestellt wurde, dass die Konten wohl kaum Adwords Umsätze haben und ausschließlich Keyword Statistics gezogen wurde -> oben genannter Verstoß.

Michael · 17. Dezember 2012 um 12:16

Ich frage mich, was dieses „Untergangsscenario“ soll. Anbieter wie http://de.seodiver.com nutzen die AdWords API schon lange nicht mehr und sind bei den Suchhäufigkeiten unabhängig von Google, da diese Auswertungen auf Live-Daten eigener User-Panel beruhen.
Natürlich gefällt Google das Scrapen der Suchergebnisse nicht, da Crawler nicht auf Anzeigen klicken. Es ist aber technisch nicht zu verhindern, wenn die Toolanbieter es zeitlich strecken und über eine Vielzahl an Proxys verteilen.

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